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Fotoparade 2-2017

Zum sechsten Mal ruft Michael von erkunde-die-welt-de zu seiner halbjährlichen Fotoparade auf. Aufgabe hierbei ist es die 6 schönsten Bilder zu 6 verschiedenen Kategorien der letzten 6 Monaten zu präsentieren. Meine Einträge hier sind relativ rar gesät und ich bin auch kein großer Blogger, aber die Fotoparade ist eben doch etwas, was mir immer viel Spaß macht, weil ich so meine persönlichen Highlights nochmals in Revue passieren lassen kann, was ich vermutlich ohne sein Fotoparade nicht mehr tun würde. Neben dem Rückblick auf schöne vergangene Zeiten ist es auch immer spannend zu sehen, wohin (und wie) andere Blogger so verreisen. Dabei finde ich häufig die eine oder andere Inspiration für künftige Reiseziele.

Die klassischen Kategorien für die Fotoparade 2-2017 lauten: „Landschaft“ - „Licht“ - „Schwarz-Weiß“ - „Tiere“ und „Natur“. Zusätzlich gibt es noch die fünf etwas kniffligeren Kategorien mit: „Nahaufnahme“ - „Stadtbild“ - „Farbkontrast“ - „Essen“ und „Aussicht“. Aus diesen Kategorien darf ich nun 5 auswählen, so dass zusammen mit der Kategorie „schönstes Foto“ 6 Fotos zusammenkommen. Auch im zweiten Halbjahr blieb mir nicht viel Zeit zum Reisen übrig, aber immerhin habe ich es nach Tokio geschafft, weshalb meine Bilder diesmal ausschließlich aus dieser Stadt kommen. Das schränkt mein Auswahl bezüglich der Kategorien natürlich etwas ein, aber die vorgegebenen 6 Kategorien bekomme ich auf jeden Fall hin. Ich habe meine Bilder nicht nach optischer oder technischer Perfektion ausgewählt, sondern eher die Bilder mit denen ich einfach schöne Erinnerungen verknüpfe.

„Licht“

Bei dieser Kategorie habe ich die Qual der Wahl. Abends in Tokio ist praktisch alles nur noch bunt beleuchtet. Genau genommen liebe ich die Fotografie in der Nacht. Es gibt für mich nicht schöneres als mich zu „entschleunigen“, die Kamera auf das Stativ zu klemmen und dann eine lange Belichtungen durchzuführen. Trotzdem habe ich mich dieses mal für ein Porträtbild entschieden, welches das Thema „Licht“ in Tokio recht eindrucksvoll demonstriert. Die Aufnahme mit dem Modell Erina Yamazaki entstand in Kabukichō, ein Stadtteil im Tokioter Bezirk Shinjuku, und zeigt sehr schön wie man mit dem vorhandene Umgebungslicht der Reklamen eine Person eindrucksvoll ohne weiteres Licht ausleuchten kann.

Modell: Erina YamazakiIn cooperation with capturetokyo.com

„Schwarz-Weiß“

Obwohl ich Schwarz-Weiß-Bilder sehr gerne mag, mache ich doch relativ selten welche. Gerade in der Straßenfotografie sind Schwarz-Weiß-Aufnahmen ja fast schon ein Standard. Ich habe mich hier für eine Architektur-Aufnahme im inneren vom Tokyo International Forum entschieden, zu finden im Stadtteil Chiyoda. Hierbei kann ich jedem Architektur-Fan den Besuch dort nur ans Herz legen. Der Eintritt ist frei.

Tokyo International Forum, Chiyoda

„Tiere“

Ich habe eigentlich kaum Fotos von Tieren, aber in Japan ist mir hierzu etwas kurioses aufgefallen. Während in China teilweise noch Hunde gegessen werden (zumindest auf dem Land), werden diese in Japan eher verhätschelt. Hunde sieht man in Tokio fast überall. Dies ist für eine Großstadt eher ein ungewöhnliches Bild. Vor dem Shibuya-Bahnhof wurde dem bekanntesten Hund Japans mit der Hachiko-Statue sogar ein Denkmal gesetzt. Japaner lieben ihren Hund und schieben diesen häufig in speziellen Dog-Buggys umher. Gerade bei größeren Hunden mag hierzulande der eine oder andere die Nase etwas rümpfen, aber es trotzdem lustig anzusehen.

"Dog-Buggy"

„Stadtbild“

Stadtbilder von Tokio habe ich sehr viele gemacht, aber am meisten bleibt mir die Ansicht vom Dachgarten des Kitte Marunouchi Gebäudes im Gedächtnis, weil sich hier sehr schön der Tokioter Bahnhof im Neobarock-Stil mit den modernen Wolkenkratzern vermischt, was gerade in der Nacht ein schönes Bild abgibt. Auch hier ist der Zutritt auf die Dachterrasse kostenlos.

Tokyo Train Station

„Farbkontrast“

Wer sich die etwas schrillere Seite von Tokio ansehen will, dem kann ich die Takeshita Street im Stadtteil Harajuku empfehlen. Diese Straße ist voll mit Modeläden (häufig etwas ausgefallenere Sachen), Cafés und Restaurants. Die Straße ist fast immer voll mit modebewusste Tokioter die hier sich hier auch gerne präsentieren. Wer also auf der Suche nach einer Farbexplosion (oder einem neuen Style) ist, der wird hier fündig. Passend dazu eine Porträt-Aufnahme einer jungen Tokioter Damen in einem recht schrillen Outfit.

Colourful girl at Takeshita Street

„Aussicht“

Für diese Kategorie habe ich den Sonnenuntergang von der Aussichtsplattform des Bunkyo Civic Center ausgewählt. Von dort aus kann man bei klarer Sicht auch den Mount Fuji hinter den Wolkenkratzern sehen. Im Bild ist dieser auch zu sehen, aber leider hat er sich mit den Wolken etwas vermischt. Trotzdem lohnt sich der Ausblick dort, weil hier zum einen kaum Touristen dort sind und auch kein Eintritt bezahlt werden muss. Geht man auf die andere Seite des Decks, kann man auch den Skytree sehen.

A little bit of Mount Fuji

„Schönstes Foto“

Als Lieblingsfoto habe ich eine Nachtaufnahme vom Sensō-ji im Stadtteil Asakusa ausgewählt. Beim Sensō-ji handelt es sich um den ältesten Tempel in Tokio welcher Guanyin gewidmet ist. Allerdings sollte man beachten, dass dieser Tempel zu einem der am häufigst besuchten spirituellen Orte der Welt gehört. Wer allerdings gegen Abend um 8 Uhr herkommt, der hat die ganze Anlage fast für sich. Allerdings ist der Tempel und die vielen Shops bis zum Tempel dann aber auch geschlossen.

Sensō-ji

Wer sich für weitere Bilder aus Tokio interessiert, der kann sich ja mein Album dazu ansehen (oder mir auf Instagram folgen). Leider bin ich noch nicht dazugekommen die Bilder auf ein vernünftiges Maß zu reduzieren. Wenn sich jemand für die eine oder andere Fotolocation interessiert, der kann sich gerne bei mir melden.

Weitere tolle Beiträge anderer Teilnehmer zur Fotoparade sind:

Gerne verlinke ich auch mit anderen Teilnehmern, wenn es erwünscht ist.

Fotoparade 1-2017

Michael von Erkunde die Welt hat bereits zum fünften Mal zu seiner Fotoparade aufgerufen und ich nehme hier nun das zweite Mal teil. Die Kategorien für die Fotoparade 1-2017 lauten: „ungewöhnlich“ - „entspannt“ - „fern“ - „beleuchtet“ - „alt“ und wie immer „schönstes Foto“. Für mich war es gar nicht so einfach, hier eine Sammlung der ersten sechs Monaten des Jahres 2017 zusammenzustellen, weil ich aus verschiedenen Gründen gar nicht soviel Zeit zum Reisen hatte wie geplant. Umso schöner ist es aber für mich, bei der Fotoparade die vielen tollen Reiseberichte und Fotos der anderen Teilnehmer (inklusive von Michael) zu betrachten und so zumindest in Gedanken ein wenig auf einer Reise gewesen zu sein. Für mich ist die Fotoparade auch ein Form der Inspiration, wo ich mich in meinem Alltag ein wenig „Fortträumen“ kann. Ebenso finde ich hierbei die eine oder andere Anregung, wo ich in Zukunft vielleicht auch mal hin will. Hierzu also meine persönlichen Lieblingsfotos aus dem ersten Halbjahr 2017 passend zur entsprechenden Kategorie.

„ungewöhnlich“

Die Aufnahme der „pinkelnden Skulpturen“ entstand in Prag direkt vor dem Franz Kafka Museum. Hierbei handelt es sich um eine Skulptur von David Cerny, wovon es in Prag noch viele Weitere gibt. Aber am skurrilsten dürften wohl diese beiden pinkelnden Herren sein. Skurril auch daher, weil der Pool, wo die beiden Herren pinkeln, die Form der Tschechischen Republik hat. Es heißt, der Künstler will damit Ausdrücken, was die Politiker von Ihrem eignen Land halten.

„entspannt“

Flüsse und Brücken haben eine magische Anziehungskraft für mich. Sehr gerne suche ich mir vor Ort ein ruhiges Plätzchen zum Verweilen aus und beobachte das Treiben auf dem Fluß und an den Ufern. Diese Aufnahme entstand auf der weniger frequentierten Uferseite der Karlsbrücke in Prag wo die Moldau fließt.

„fern“

Den Begriff „fern“ muß ich hier leider ein wenig auf „fernsicht“ ausdehnen, weil ich eigentlich im ersten Halbjahr gar nicht weit weg im Sinne von „fern“ gewesen bin. Diese Aufnahme entstand während einer Autofahrt eines Fotoworkshops in den Berchtesgadener Alpen, wo sich ganz kurz die Sonne durchrang die Wiesenfläche zu beleuchten. Ich habe hierfür kurz angehalten und dieses wirklich tolle Panorama genossen.

„beleuchtet“

Das Bild entstand vor der Karlsbrücke in Prag um 5 Uhr am Morgen. Der Zeitpunkt war bewußt so früh gewählt, weil dieser Platz und auch die Brücke am Abend rappelvoll ist und etwas später die Beleuchtung abgeschaltet wird. So früh am Morgen hingegen hat man die Brücke und auch ganz Prag so gut wie für sich alleine.

„alt“

Dieser alte zerfallene Steg ist am Hopfensee zu sehen. Ziel war es hier eine Aufnahme beim Sonnenuntergang zu machen. Leider gab es hier nicht viel Sonnenuntergang, wie man ganz klar sehen kann. Ich mag das Bild trotzdem, weil es sehr schön zeigt, wie man mit der Perspektive tricksen kann. Der Steg selber ist höchsten 1,50 Meter lang. Wenn man aber nur tief genug heruntergeht, wirkt er hierbei wesentlich länger als er ist und wird so zum Hauptobjekt des Bildes.

„schönstes Foto“

Mein persönliches Lieblingsfoto ist ein Sonnenaufgang in Prag. Ich mag das Bild besonders gerne, weil damit auch Mühen und schöne Erinnerungen verbunden gewesen sind. Ich bin 2x umsonst morgens um 6 Uhr an dieser Stelle gestanden, weil das Wetter nicht mitgespielt hat. Am letzten Tag zwei Stunden vor meiner Heimfahrt habe ich mich nochmals in der Früh aus dem Bett gequält und wurde mit einem wunderschönen Sonnenaufgang belohnt.

Gutes tun mit Photocircle

„Bilder verkaufen und etwas Gutes tun!“, so lautet das Motto von Photocircle, wo Sie Bilder zur Verfügung stellen, welche vom Kunden auf Alu Dibon, Acrylglas, Leinwand, Fine Art Papier, Poster oder gerahmtes Poster in verschiedenen Größen gekauft werden können. Mit dem Verkauf werden ausgewählte Bildungs- und Entwicklungsprojekte in der näheren Region des Aufnahmeortes unterstützt. Welche Projekte das sind, erfahren Sie auf der jeweiligen Verkaufsseite eines Bildes. Der Fotograf legt dabei fest, wieviel er von seinem eigenen Verdienst an dem Bild spenden will. Minimum beträgt die Spende 25% vom eigenen Verdienst bis hin zu 100%, womit der Fotograf quasi seinen kompletten Verdienst an das soziale Projekt spendet.


Ich muß sagen, die Idee gefällt mir persönlich sehr gut und ich habe selber mal ein paar Bilder hochgeladen. Hierbei wird auch die Eignung und Qualität der Bilder geprüft. So wurden bei mir viele eingereichte Bilder nicht angenommen. Photocircle selbst schreibt, das derzeit 5-10% der eingereichten Bilder angenommen werden. Also nicht wundern, wenn es nicht gleich klappen sollte. Für mich persönlich ist das zugleich auch eine Herausforderung, weil man hierbei indirekt ein stilles Feedback bekommt, ob ein Bild auch wirklich gut genug für eine Wand ist. Wer sich bei Photocircle umsieht, wird schnell feststellen, daß die dort angebotenen Bilder eine hohe Qualität haben. Meine persönlichen Favoriten sind hierbei die klassischen Bilder von der Süddeutschen Zeitung, wovon bei mir wohl demnächst einige Werke die Wand zieren werden.

In der folgenden Slideshow finden Sie einen Überblick zu den Bilder von mir, die derzeit bei Photocircle erhältlich sind. Ich habe mich dabei gleich entschieden 100% von meinen Gewinn für gute Zwecke zu spenden, weil ich ohnehin keinerlei finanzielles Interesse habe. Außerdem dürfte die Reichweite meiner Bilder ohnehin nicht so groß sein und wenn wenigstens ein oder zwei Bilder verkauft werden, dann kommt wenigsten eine kleine Summe dort an, wo es benötigt wird. Mir ging es bei diesem Artikel vielmehr darum, ein wenig auf Photocircle aufmerksam zu machen, weil ich persönlich es für eine ganz tolle Idee halte.



Photographische Midlife-Crisis

Über die Jahre ist das Fotografieren für mich ein wichtiger Bestandteil meines Lebens geworden. Anfänglich war es nur der Wunsch das Fotografieren richtig zu lernen, indem ich mir die tollen Aufnahmen in Büchern, Kalendern und im Internet betrachtet habe. „So sollten meine Bilder künftig auch aussehen!“, waren meine Ziele. Also habe ich mir mit der Zeit verschiedene Techniken und die Tricks zur Gestaltung von Bildern angeeignet, um es genauso, oder zumindest ähnlich, hinzubekommen.

Auch der Aufwand die Bilder zu bestimmten Zeiten an geplanten Orten zu machen hat enorm zugenommen. Ebenso investiert man hierbei (zunächst) eine stolze Summe an Geld für die Ausrüstung und auch um zu bestimmten Plätzen zu kommen. Dann kauft man sich ein weiteres Objektiv oder eine zweite Kamera, um sich dann vor Ort den Kopf zu zerbrechen, was man den eigentlich jetzt auf die nächste Fototour mitnehmen soll. Letztendlich hat man (gefühlt) ja eh immer die falsche Linse drauf oder man quält sich vollgepackt mit zuviel Fotoausrüstung um sich hängend durch den Tag.

Gelegentlich überschreitet man auch die Grenzen und besticht oder belügt Personen nur um an einen bestimmten Ort zu kommen, um eventuell ein »einzigartiges Foto« von einem Ort zu machen. Man träumt schon von der Auszeichnung zum Reisefoto des Jahres, nur um später festzustellen, das es dieses Bild auch schon zigfach und oft noch viel »Schöner« gibt oder es dann auf dem heimischen Bildschirm gar nicht mehr so toll wirkt. Immerhin bekommt man vielleicht noch eine Ordnen von Familie und Freunden mit der Auszeichnung: „Das sind ja tolle Fotos! Hast Du die gemacht?“ bis hin zu: „Bei so einer Kamera ist das ja kein Wunder!“. Notfalls kann man die Bilder ja auch noch bei Flickr & Co. einstellen und sich dort loben und preisen lassen. (Konstruktive) Kritik will dort ohnehin niemand mehr hören und wird dann auch noch gerügt, wenn es den mal eine gibt. Manchmal ist diese Lobhudelei einfach nur noch peinlich zu lesen, weil es einigen scheinbar eh nur darum zu gehen scheint, irgendwelche »Follower« nicht zu verärgern oder einfach neue Anhänger dazu zu gewinnen.

Oftmals hat man das Gefühl, das die Bilder, die man gemacht hat, einfach nur stereotype Aufnahmen sind, von denen es bereits unzählige andere Motive gibt. Die einen besser, die anderen schlechter. Mal ist die Komposition anders oder es wurden ein paar »andere Regler« im geliebten RAW-Konverter bewegt bzw. es wurde einfach das Bild mit Photoshop verfremdet, damit das Bild einen anderen »Look« bekommt und somit doch irgendwie wieder anders wirkt. Aber trotzdem handelt es sich immer wieder um das gleiche Motiv. Bei dem Streben nach dem Wunsch immer »bessere« Bilder von bestimmten Orten (oder Personen) als andere zu machen, verliert man schnell den eigentlichen Blick sich selbst weiterzuentwickeln, um einen eigenen Stil zu finden. Nimmt man beispielsweise meine Bilder von einem Ort wie Venedig her, vergleicht diese mit vielen anderen Webseiten und mischt diese durch, könnte man nicht sagen, welche Bilder davon meine sind. Meistens handelt es sich immer wieder um die gleichen und austauschbare Szenen die schon dutzendfach fotografiert wurden.

Bei all dem Fokus auf die formale Gestaltung und die technischen Diskussionen habe ich mir die Frage gestellt: „Was willst Du mit deinen Fotos eigentlich mitteilen und geben die Fotos eigentlich wieder, wer ich bin und was ich fühle?“. Bei all der Suche nach einer Form der Anerkennung oder Selbstbestätigung immer richtig tolle Bilder zum »Teilen« mitzubringen fehlt vermutlich einfach der Mut einfach mal was anderes zu probieren. Wer will schon hören: „Was soll das den sein?“ oder „Und dazu bist Du soweit gereist?“.

Während eines Fotoworkshops im Frühling bzw. im Winter mit Stefan Mayr in Augsburg bzw. Venedig bin ich zum ersten Mal mit der abstrakteren Fotografie in Berührung gekommen. Stefan motiviert seine Teilnehmer immer dazu, auch mal jenseits der Klischees zu fotografieren und eben einfach mal Mut zu haben etwas anderes zu machen. Ich muß sagen, bei mir ist der Funke zunächst einmal überhaupt nicht so recht übergesprungen, weil ich auf einmal etwas fotografieren soll, was nicht auf dem ersten Blick offensichtlich ist. Ebenso war mir zunächst einfach nicht so recht klar, wie ich das in die Praxis umsetzen sollte.

Aber spätestens nach meiner Venedig-Reise war mir klar, das ich künftig auch was anderes machen wollte. Sicherlich, werde ich weiterhin meine klassischen »Postkartenbilder« machen, aber darüber hinaus soll es jetzt auch etwas »Abstrakter« zugehen und (zumindest für mich) persönlicher werden. Mir ist dabei völlig klar, das hierfür wieder etwas Zeit für die (persönliche) Weiterentwicklung nötig sein wird. Auch werden solche Bilder nicht mehr so häufig mit dem Titel: „Tolle Bilder hast Du da!“ ausgezeichnet. Aber im Grunde fotografiere ich ja auch für mich und nicht für jemanden anderes. Fotografieren für die Seele, würde ich sagen.

Abstrakt?

Was ist bitteschön jetzt die „Abstrakte Fotografie?“ Das hört sich wirklich irgendwie ein wenig nach »Klugscheißer« und zugleich »Kunst« an. Vom technischen Aspekt ist die abstrakte Fotografie allerdings viel subtiler als man zunächst annimmt. Man muß nicht mal dafür verreisen und kann dies auch in den eigenen vier Wänden machen.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten abstrakte Bilder zu machen. Die einfachste Form ist Abstraktion durch Nähe. Hierbei geht man ganz nach an ein Motiv heran, bis das Motiv nicht mehr auf den ersten Blick als Ganzes zu erkennen ist.

Eine weitere Möglichkeit der Abstraktion ist es einfach die Perspektive zu ändern. Hierbei fotografiert man ein Bild von einer etwas ungewöhnlichen Perspektive, wodurch es für den Betrachter eventuell auf dem ersten Blick nicht ersichtlich ist, was auf dem Bild zu sehen ist und dafür schon etwas genauer hinsehen muß. Beispielsweise können Sie ein Motiv oder eine Szene durch eine Spiegelung eines Fensters oder einer Wasserpfütze fotografieren. Auch das Fotografieren frontal von oben oder unten kann den Betrachter dazu ermuntern, das Bild etwas länger als die oft üblichen ein bis zwei Sekunden zu betrachten, weil der Blickwinkel hierbei zunächst total fremd ist, was dann auch den Reiz auf ein Bild ausübt.

Die dritte Möglichkeit einer Abstraktion ist es die Unschärfe bewußt einzusetzen. Hierbei kann man entweder gezielt Bildteile unscharf wirken lassen, die man sonst eventuell scharf stellen würden. Ebenso kann man eine komplette Unschärfe im Bild verwenden. Am besten erreicht man dies, wenn man manuell fokussieren. Ziel ist es auch hierbei den Betrachter zum Nachdenken zu zwingen, worum es sich bei dem Bild handeln könnte.

Will man das Ganze dann noch etwas steigern, kann man noch Abstrakter fotografieren, indem man diese Techniken wie beispielsweise Nähe und Unschärfe miteinander kombinieren.

Eine letzte Möglichkeit der Abstraktion, womit ich diesen Artikel abschließen will, ist durch Bewegung. Hierbei stellt man eine eine etwas längere Belichtungszeit an der Kamera ein, während sich das Motiv bewegt und es somit bewußt zu Verwischungen kommt. Dabei kann es auch hilfreich sein, die Kamera auf ein Stativ zu stellen. Hierbei bekommt das Bild bzw. das Motiv eine eigene Dynamik.

Dasselbe Prinzip mit der Bewegung funktioniert natürlich auch ohne ein Motiv, indem man eine längere Belichtungszeit verwenden und stattdessen die Kamera bewegt, dreht oder den Zoom betätigt. Gute Ergebnisse erzielen man hierbei, wenn man die Bewegungen mit der Kamera gleichmäßig in eine Richtung ausführt.

Wenn das noch nicht reicht, kann man eine längere Belichtungszeit einstellen und die Kamera in die Luft werfen. Diese Disziplin wird Camera Tossing (Kamerawurf) genannt und setzt natürlich voraus, das man die Kamera auf jeden Fall wieder auffangen sollten! Aus dem Grund dürfte es wohl besser sein, nicht eine teure Kamera mit einem 70-200mm-Objektiv in die Luft zu werfen.

Fazit

Sicherlich gibt es noch weitere Möglichkeiten der abstrakten Fotografie, aber mit den hier erwähnten Techniken, mit der Nähe, Perspektive, Unschärfe und Bewegung (auch in Kombination) dürfte man viele kreative Möglichkeiten haben, etwas Neues auszuprobieren, wenn die gewöhnlichen Motive zu langweilig geworden sind oder man einfach zur Motivation etwas Abwechslung sucht. Ich bezeichne es einfach als meine »Photographische Midlife-Crisis«, weil ich ohnehin nach einer Zeit wieder zurück zu meiner gewöhnlichen Reisefotografie mit den Postkarten-Motiven zurückkehren werde. Trotzdem macht es viel Spaß zwischendurch einfach mal etwas ganz anderes auszuprobieren.



Fotoparade 2-2016

Zum Ende des Jahres 2016 bin ich immer noch auf der Suche nach meinem ersten Eintrag hier und ich denke mir, ich fange einfach mit meinen persönlichen Lieblingsfotos vom 2.Halbjahr 2016 an. Auf die Idee hat mich Michael von www.erkunde-die-welt-de mit einem Blogeintrag gebracht.

Die Vorgaben sind hierbei die Lieblingsfotos aus den Kategorien „Tierisch“, „Berühmt“, „Gewachsen“, „Nachts“ und „Gebäude“ zu präsentieren. Zusätzlich soll noch abschließend ein „Schönstes Foto“ ausgewählt werden. Hier also meine persönlichen Lieblingsfotos.


„Tierisch“

Ich mache eigentlich nie Fotos von Tieren auf meinen Reisen. Daher muss in dieser Kategorie mein alter vierbeiniger Freund „Ben“ herhalten. Das Bild ist mein persönliches LIeblingsbild von Ihm, welches ich bei einem Spaziergang von Ihm gemacht habe.

„Berühmt“

Das Bild von der Ponte dell'Accademia über den Grand Canal in Venedig dürfte wohl jeder schon in verschiedenen Ausführungen kennen. Das Bild ist zwar nicht mein Bestes aus Venedig, aber mein absolutes Lieblingsbild, weil ich fast auf allen meinen Reisen kein Glück mit dem Fotografieren von Sonnenaufgängen hatte.

„Gewachsen“

Es war nicht einfach ein Bild für diese Kategorie zu finden, was auch wirklich dazu passt. Das Bild ist im Herbst in Budapest entstanden, wo der Eindruck entsteht, als würden die Pflanzen das Gebäude gerade zu verschlingen wollen. Bei dem Gebäude handelte sich um das Hotel Gellért.

„Nachts“

Auch in dieser Kategorie war es schwer für mich ein Bild zu finden, weil ich hiervon eine sehr große Auswahl habe. Die Fotografie in der Nacht ist sozusagen meine Lieblingsdisziplin. Hierbei habe ich mich für das Parlamentsgebäude von Budapest entschieden, welches ich von der gegenüberliegenden Seite der Donau aufgenommen habe. Rückblickend muss ich dazu sagen, dass Budapest ein Mekka für Fetischisten der Nachtfotografie ist.

„Gebäude“

Der Personenaufzug in Lissabon (Elevador de Santa Justa bzw. Elevador do Carmo) ist mein persönliches Lieblingsbild in dieser Kategorie und hat sich in meinem Kopf fest verankert, wenn ich an Lissabon zurück denke. Der Aufzug verbindet den Stadtteil Baxia mit dem höhergelegenen Stadtteil Chiado. Genaugenommen handelt es sich hierbei ja gar nicht um ein Gebäude und der Aufzug ist nur ein Teil von einem Gebäude, aber es ist halt auch eines meiner Lieblingsfotos und ich bringe es einfach in dieser Kategorie.

„Schönstes Foto“

Ein „Schönstes Foto“ auszuwählen war nicht einfach, weil einem ja irgendwo alle Bilder am Herzen liegen. Ich habe daher einfach auf mein Bauchgefühl gehört. Mein persönliches Lieblingsfoto ist eine Nachtaufnahme der St.-Stephans-Basilika in Budapest.

Fazit

Mir hat das jetzt sehr viel Spaß gemacht, nochmals die Bilder meiner letzten sechs Monate durchzugehen und so zumindest in Gedanken nochmals im Urlaub zu sein. Und es hat mir schon mal Appetit für meine Reiseplanungen im nächsten Jahr gemacht.